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 Chris Blatchford - The Black Hand 
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Beitrag Chris Blatchford - The Black Hand
Hinter dem doch etwas längeren Titel "The Black Hand - The bloody rise and redemption of "Boxer" Enriquez, a mexican mob killer" von Chris Blatchford versteckt sich wohl eines der besten Bücher, was man zum Thema "Gangkriminalität" lesen kann.

Das Buch beinhaltet die Lebensgeschichte von Rene "Boxer" Enriquez, einem der höchsten Mitglieder der "Mexican Mafia", bis zu seinem Ausstieg. Enriquez nutzt das Buch nicht, um eine verpaßte Verteidigung nachzuholen, was vielleicht im ersten Moment befürchten könnte. Im Gegenteil. Da "Boxer" es sich zur Aufgabe gemacht, vor allem junge Menschen vor der Gefahr von Gangs und "la Eme" zu warnen, beschönigt, geschweige denn glorifiziert, er weder das Leben als Gangmitglied, noch irgendeine seiner Taten (die Mord, versuchten Mord, Verabredung zum Mord, Erpressung, etc. beinhalten).

Das Buch ist chronologisch aufgebaut, beginnt also mit seiner Kindheit, seinen ersten Kontakten mit Drogen und Kriminellen, seinem Einstieg in eine lokale Gang (Artesia 13 oder kurz Arta), seiner Aufnahme in "la Eme", seiner Karriere innerhalb der Gang und seinem Ausstieg.

Sehr interessant waren für mich insbesondere vier Punkte. Als erstes war es die Denkweise, die Enriquez als ehemaliger Berufskrimineller an den Tag gelegt hat. Respektlosigkeiten mußten geahndet werden, um nicht den Anschein von Schwäche und Feigheit entstehen zu lassen, sowohl gegenüber seinen Feinden, als auch gegenüber seinen eigenen (vermeintlichen) Freunden (Feigheit wird "La Eme" nicht toleriert und ist ein fast schon sicherer Grund, um sich selbst auf "la lista", der schwarzen Liste der Gang wiederzufinden). Das mag auf den ersten Blick noch nicht allzu spektakulär erscheinen, denn daß Kriminelle jedwede Respektlosigkeit (in ihrer Welt) rächen und bestrafen müssen, ist wohl bekannt. Trotzdem fand ich es auf eine gewisse Art und Weise faszinierend.
Der zweite Punkt war die Schilderung des Innenlebens der Gang selbst. Nahezu tagtäglich fand sich "Boxer" in "mafia politics" wieder. Beste Freunde wurden über Nacht zu erbitterten Feinden, die einem nach dem Leben trachteten und der Grund hierfür war vielleicht nur die Unterstützung der falschen Partei innerhalb der Organisation. Todfeinde hingegen wurden zu (Zweck)Verbündeten, um den eigenen (politischen) Einfluß zu wahren. Und am nächsten Tag verliefen die Fronten schon wieder völlig anders. Da Enriquez ein Teil dieser Welt gewesen ist, erfährt man viel über die Hintergründe (zumindest aus seiner Sicht) und kann einen Einblick in seine Entscheidungen erhaschen.
Auf sehr anschauliche Weise, beschrieb "Boxer", wie es inhaftierten "Eme"-Mitgliedern möglich war, trotz Verwahrung in Secure Housing Units möglich war, Drogen zu schmuggeln, miteinander zu kommunizieren und vor allem die Straßen zu kontrollieren. Die "Mexican Mafia" gilt als eine Art Dachorganisation für alle "sureno"-Gangs, die sogenannte "taxes" an "La Eme"-Mitglieder zahlen, um ihren Geschäften nachgehen zu dürfen und Enriquez gilt als eines der Mitglieder, die für die Vereinigung all jener Gangs verantwortlich sind. Laut dem Buch gibt es lediglich zwischen 150 und 300 "made mexican mafiosi", die aber ein Netzwerk von loyalen "associates" und urbanen hispanischen Gangs kontrollieren, deren Zahl in die Zehntausende (das "e" am Ende ist kein Verschreiber) gehen soll. Angeblich soll sogar die wohl gefürchteste Straßengang der USA, "Mara Salvatrucha (oder MS-13)", "la Eme" unterstehen. Besonders spannend fand ich, wie die Kriminellen das Rechtssystem ausgenutzt haben. Im us-amerikanischen Recht gibt es das sog. "pro per system", d.h. - einfach ausgedrückt - der Angeklagte (in einem Strafverfahren) kann freiwillig auf einen Verteidiger verzichten und erhält hierdurch (fast) alle Rechte, die einem Anwalt zustehen würden. Briefe, die mit dem Strafverfahren in Zusammenhang stehen, dürfen nicht gelesen werden, Gespräche mit dem sog. "legal runner" nicht abgehört werden usw.
Und wenn wir schon beim Ausnutzen sind, darf der letzte Aspekt, der mich fasziniert hat, nicht fehlen. Es gibt in den USA Kritiker der Haftbedingungen, wie sie vor allem in den SHUs herrschen, sowohl in Form von Organisationen, als auch einzelne Politiker. Nachdem es in dem Supermax-Gefängnis "Pelican Bay" im Jahr 2000 zu gewalttätigen Übergriffen von "la Eme" nahestehenden inhaftierten Gangmitgliedern auf Afro-Amerikaner kam, kam die Idee auf eine "Friedensrunde" zu installieren. Die drei mächtigsten Parteien (jeweils Mitglieder der "Aryan Brotherhood", der "Black Guerilla Family" und der "Mexican Mafia") wurden an einen Tisch geholt, um Frieden zu schließen und somit (eine trügerische) Sicherheit auf dem Gefängnishof zu garantieren. Statt über einen Frieden zu diskutieren, wurden die Treffen für "business" genutzt und Enriquez selbst wollte die Möglichkeit wahrnehmen, um einen Rivalen umzubringen.


Dieses Buch ist wirklich ein absoluter Höhepunkt. Ich würde auf keinen Fall sagen, daß es eine Art Pflichtlektüre für Spieler ist, die einen Charakter mit Ganghintergrund spielen möchten (der nicht Mitglied einer der zahlreichen Comedy-Banden sein soll), aber für Spieler, die gerne viel für ein Konzept recherchieren und/oder sowieso gerne Bücher, abseits von "Feuchtgebiete" lesen, sind die 11 EUR eine lohnende Investition.

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Niedertrachts Shadowrunbibliothek - Blog rund um das Thema Shadowrun. Ein Besuch lohnt sich. (Update: 26.12.2009 - "Drogen, Teil II: Des Problems Lösung")


27.12.2009, 20:21
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